„Einfach“ mal den Mond fotografieren

Derzeit ist der Mond bei wolkenfreiem Himmel wieder sehr gut zu beobachten bzw. per Teleskop oder Kamera festzuhalten. Aus diesem Grund zieht es wieder viele Hobbyfotografen am Abend auf den Balkon, Garten oder die Straße, um den Erdtrabanten mit möglichst langer Brennweite zu Leibe zu rücken. Man muss ja schließlich mit dem Autofokus nur gut zielen und dann einfach abdrücken. Meistens sind die Ergebnisse dann doch enttäuschend. Die Bilder wirken weich, unscharf und gar nicht so spannend, wie durch das bloße Auge beobachtet. Das liegt daran, dass immer wieder ein paar grundlegende Dinge vergessen werden:
  1. Es ist am Abend oder Nacht relativ dunkel! (wer hätte es gedacht…) Die Kamera muss deshalb je nach Objektivlichtstärke sehr ruhig gehalten werden und meist müssen zusätzlich sehr hohe ISO-Empfindlichkeiten eingestellt werden.
  2. Der Mond bewegt sich! Und das nicht mal langsam. Belichtungszeiten unterhalb von 1/100s sind schon fast zu wenig, um ein wirklich scharfes Bild hinzubekommen. Wer das nicht glaubt, kann gerne mal ein Mond-Video mit fester Kameraposition aufnehmen. Er wird sich wundern wie schnell der helle Kreis aus dem Kamera-Blickfeld verschwindet.
  3. Zwischen der Kamera und dem Mond ist viel Luft. Je flacher der Mond steht, desto mehr Luftschichten müssen von dem einfallenden Licht durchdrungen werden. Da sich die Luft je nach Temperatur und Luftströmung mehr oder weniger stark bewegt und oft auch nicht besonders „sauber“ ist, werden die Lichtstrahlen bis sie bei der Kamera ankommen sehr häufig abgelenkt, gefiltert bzw. komplett geschluckt. Was am Ende dann beim Betrachter ankommt, ist oft nur noch als Matsch zu bezeichnen. Der Kontrast ist flau und die Details sind verschwommen oder gar nicht mehr erkennbar.
  4. Der Vollmond ist so ziemlich das Unspannenste was man fotografieren kann. Ok, der große Vorteil am Vollmond, er ist hell! Das macht das Fotografieren mit großen Blenden und Brennweiten einfacher. Aber, er ist flach und zweidimensional. Aufgrund der fehlenden Schatten (er wird direkt von vorne angestrahlt) werden die feinen Strukturen oder Krater gar nicht erst aufgelöst. Der Mond wirkt ehr wie ein Gemälde als eine „Kugel“.
Full Moon 19.03.2011
Mond 19.03.2011
Canon 1000D + Kenko 1.4x Extender + Sigma 2x Extender + Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L

Meine Tipps:

  1. Der Halbmond in seinen verschiedenen Ausprägungen (40-70%) ist deutlich spannender. Der seitliche Lichteinfall der Sonne erzeugt mittlere bis große Schattenwürfe, die auch kleinste Krater dreidimensional erscheinen lassen. Selbst nach etlichen Mondaufnahmen bin ich jedes Mal wieder neu erstaunt wie viel Struktur der mit dem Auge so flach erscheinende Mond zu bieten hat.
  2. Immer ein Stativ verwenden! In der Nacht und aus der Hand hat man bei langen Brennweiten (>300mm) eigentlich wenig bis gar keine Chancen auf eine vernünftige Mondaufnahme. Natürlich sollte für große und schwere Objektive bzw. Kameras auch ein entsprechend robustes Stativ verwendet werden. Die Marke ist relativ egal.
  3. Bei Spiegelreflexkameras unbedingt die Spiegelvorauslösung einschalten. Der Spiegelschlag beim Auslösen kann je nach Kamera-Typ, Stativ und vorallem bei langen Verschlusszeiten (<1/200s) leicht zu Verwacklern führen. Wird im „LiveView“-Modus fotografiert kann man sich das getrost sparen, da hier der Spiegel eh schon hochgeklappt ist.
  4. Fernauslöser oder Auslöse-Timer verwenden. In jedem Fall nicht selbst den Auslöser drücken, um jegliches Verwackeln zu vermeiden. Ein kabelgebundener oder schnurloser Fernauslöser hat sich für mich in jedem Fall bewährt, da man auch mehrer Aufnahmen schnell hintereinander auslösen kann. Zu empfehlen, wenn die Luft sehr unruhig ist. Die Chance, dass eine gute Aufnahme dabei ist, wird dadurch größer.
  5. Je größer die Brennweite, desto besser (schon klar…). Ruhig mal mit einem oder mehreren Telekonvertern „spielen“. Oft wird die Qualität der Aufnahmen durch die oben erwähnten Probleme dominiert und der Schärfeverlust durch Konverter ist meist zu vernachlässigen. Außerdem kann sich nicht jeder ein 800mm f/5.6 mit 2-fach Konverter und eine High-ISO-DSLR leisten.
  6. Nach meiner Erfahrung sind nur wirklich sternenklare, kalte Nächte mit hochstehendem Mond gute Vorraussetzungen für tolle Mondaufnahmen. Das heißt nicht, dass man im Hochsommer keine Mondbilder schießen kann. Im Winter sind die Chancen auf einen klaren und ruhigen Himmel einfach größer
  7. Als letzter Punkt: Sofern die Kamera einen „LiveView“-Modus besitzen sollte, ist dieser immer dem optischen Sucher vorzuziehen. Mit den zusätzlich verfügbaren Vergrößerungs-Möglichkeiten läßt sich der gewählte Bildausschnitt manuell mit dem Objektiv-Fokusring sehr genau scharf stellen. Auf den Autofokus, sofern dieser bei hohen Blenden und wenig Licht noch funktionieren sollte, verlasse ich mich persönlich nicht.
Wenn man die meisten aufgeführten Punkte beherzigt, dann wird man mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit guten und scharfen Bildern belohnt. Das folgende Bild habe ich erst vor einigen Tagen mit einer exotischen Kamera-Objektiv-Kombination aufgenommen. Weitere Bilder gibt es auf meiner Flickr-Homepage
Moon 17.06.2013
Mond 15.08.2013
Fujifilm X-E1 + XF-EF Adapter + 1.4x Kenko Konverter + 2x Sigma Konverter + Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L

Und wenn man sich Mühe gibt und ein wenig Zeit investiert, sind auch mal Aufnahmen von Jupiter und ein paar seiner Monde drin:

Jupiter and Moons 18.02.2013
Jupiter und Monde (Europa + Ganymed)
Canon 600D + Kenko 1.4x Extender + Sigma 2x Extender + Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L

Mit der X-E1 und dem XF55-200mm im Zoo

Am letzten Montag galt es das neue Fujinon XF55-200mm im Duisburger Zoo ausgiebig zu testen. Normalerweise bin ich bei solchen Besuchen mit einer Canon 1D MkII und dem EF100-400mm unterwegs. Allerdings ist das Gewicht, gerade bei den aktuellen Temperaturen, nicht zu unterschätzen. Nach ein zwei Stunden im Zoo reicht es einem dann normalerweise schon. Diesmal hatte ich „nur“ meine kleine X-E1 und das neue XF55-200mm Telezoom dabei. Beides zusammen wiegt nicht mal ein 1kg und damit deutlich weniger als die 1D oder das EF100-400mm alleine.

Natürlich muss man bezüglich der Reichweite bzw. der Brennweite nur mit 200mm (300mm KB) leben. Für die allermeisten Tiere ist das aber mehr als ausreichend. Wirklich wirkungsvolle Nahaufnahmen oder Tierportraits lassen sich nur in wenigen Zoos und auch nur bei wirklich realistischer Umgebung bewerkstelligen. Die Kamera-Objektiv-Kombination liegt gut in der Hand und läßt sich mit einem passenden Kameragurt wirklich bequem und auch über längere Zeit problemlos tragen. Der Autofokus ist sehr leise und in den meisten Fällen auch ausreichend schnell. Die anfänglichen Autofokusprobleme der neuen X-Kameras wurden mittlerweile durch einige Firmware-Updates nahezu beseigt. Nur noch sehr selten wünscht man sich den zuverlässigeren Phasen-Autofokus einer Spiegelreflex zurück. Der Bildstabilisator ist vorallem bei wenig Licht sehr hilfreich und eine Klasse für sich. Wenn man mit entsprechender Ruhe zu Werke geht, dann sind die versprochenen 4.5 Blendenstufen durchaus machbar.

Lange Rede kurzer Sinn, der erste Besuch mit der kleinen Fuji und dem neuen Telezoom im Zoo haben mich überzeugt. Es muss nicht immer eine dicke SLR mit weißen Objektiv sein, um gute Bilder von Zoo-Tieren schießen zu können. Gerade die Lowlight-Fähigkeiten der X-E1 zeigen so mancher DSLR wo der Hammer hängt. Selbst mit meiner 1D MkII wären Bilder jenseits von ISO1600 nicht mehr sinnvoll machbar gewesen. Bei der X-E1 muss ich mir bis ISO6400 keine Gedanken machen. Ich erhalte angepasst an die jeweiligen Lichtverhältnisse das bestmögliche Ergebnis.

Beispielbilder:
Panthera tigris altaicaISO1000

Koala #2ISO1250

Koala #4ISO6400
African ElefantISO400
Weitere Bilder gibt es auf meiner Flickr-Seite